Als der Regen kam
Es gibt ein Urlaubserlebnis von dem ich sehr ungern berichte. Aber ich glaube es ist an der Zeit, es einmal los zu werden.
Es frisst mich sonst auf.
Passiert ist es im England-Urlaub Anfang der achtziger Jahre. Meine damalige Freundin und ich planten eine Tour mit dem Auto quer durch Mittel- und Südengland.
Nachdem wir mit der Fähre übergesetzt hatten ging es erst nach Cambridge, dann über Oxford via Bath bis nach Cornwall in das Städtchen Penzance nahe der Küste beim „Land's End“.
Hier beginnt meine Geschichte.
Wir mieteten uns ein Ferienhäuschen nahe der Küste, war ein günstiges Angebot. Bei klarem Wetter konnte man die Küste und das Meer sehen. Es war wunderbar. Ein für England nicht immer typischer strahlender Sonnenschein bescherte uns ein paar tolle Tage. Leider lasen wir später dann im Wetterbericht, dass Regen aufkommen soll. Wir genossen also die Zeit bis dahin mit Ausflügen und anderen Aktivitäten.
Dann sollte sich der Wetterbericht bewahrheiten. Am Horizont konnten wir schon dunkle Wolken aufziehen sehen, wir beschlossen also, den Rest des Tages in unserem Ferienhaus zu verbringen. Die Regenfront kam sehr schnell und es fing nach kurzer Zeit an, wie aus Eimern zu schütten – oder wie die Engländer zu sagen pflegen: „It's raining cats and dogs“.
Es wollte und wollte nicht aufhören, auch wurde der Wind immer stärker; wir beschlossen daher ins Bett zu gehen. Am nächsten Tag sollte das Wetter sich ja wieder beruhigt haben.
Es musste so gegen zwei Uhr nachts gewesen sein als wir durch ein lautes Klopfen wach wurden. Der Sturm heulte um das Haus und das Geräusch wurde immer stärker. Es krachte an allen Ecken und klang, als ob jemand Gegenstände auf das Dach und gegen die Scheiben werfen würde. Es klatschte, rumpelte und polterte. Mir war schleierhaft, was das wohl sein könnte. Kurz darauf zersplitterte irgendwo im Wohnbereich eine Fensterscheibe, der Wind blies mit Wucht in den Raum. Meine Freundin klammerte sich an mich, aber auch mir lief der Schauer über den Rücken. Was war da los? Wir beschlossen zu warten bis der Sturm sich gelegt hat. Unser Schlafbereich lag an der Rückseite des Hauses, so dass wir geschützt waren. Vorne allerdings war die Hölle los.
Es muss etwa eine Stunde gedauert haben, dann lege sich der Sturm so plötzlich wie er gekommen war. Der Regen und das Platschen und Poltern waren vorbei. Es herrschte eine unheimliche Stille.
Und noch etwas fiel mir auf.
Es war ein Geruch. Ein Geruch, der hier eigentlich nicht her gehörte, aber ich kannte ihn. Es war der Geruch nach frischem Hackfleisch. Nach Unmengen vom frischem Gehacktem.
Ich beschloss, meinen Bademantel anzuziehen und mir das Chaos vorne anzuschauen.
Gleich, als ich die Tür zum Wohnbereich öffnete, schlug mir wieder dieser Geruch entgegen, nur war er jetzt viel stärker als vorher.
Kaum in den Raum hineingetreten stolperte ich über etwas Weiches und fiel lang hin. Ich stand wieder auf und schaute mich um.
Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was ich zu sehen bekam. Der Raum war voll von toten Katzen und Hunden. Die Kadaver lagen auf dem Fußboden, auf dem Tisch, in der Spüle, einfach überall. Die Körper durch die Wucht teilweise aufgeplatzt, Eingeweide lagen überall verstreut herum. Und im ganzen Haus der Geruch nach Schlachterei, frischem Gehacktem. Er strömte aus den offenen Leibern der Tiere, jetzt auch noch vermischt mit einem Gestank von Feuchtigkeit und nassen Hunden.
Das Einzige an das ich mich jetzt noch erinnere ist, dass ich zur Toilette rannte und mein Konfirmationsessen wieder auskotzte.
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